«Kind und Musik» engagiert sich seit 20 Jahren für die musikalische Ausbildung von Kindern.
Erika Hug Harke
Die Stiftung „Kind und Musik“ feiert 2002 ihr 20-jähriges Bestehen. Was sind die Ziele?
Hug: Vor 20 Jahren gab es für Kinder wenig zusätzliche musik-pädagogische Konzepte, die über den traditionellen Instrumentalunterricht hinausgingen. Wir haben als erste im Jahre 1982 zum Beispiel „Konzerte extra für Kinder“ mit dem Schweizer Jugendsymphonieorchester durchgeführt. Diese Konzerte waren speziell für Kinder konzipiert: Neu mussten sie nicht leise sein und wurden aktiv ins Geschehen miteinbezogen; zweitens sassen alle auf mitgebrachten Kissen am Boden und drittens durften sie nach dem Konzert auf das Podium stürmen und mit den Musikern alle Instrumente selbst einmal ausprobieren. Das war ein voller Erfolg! Wir wollen generell Aktivitäten entwickeln oder unterstützen, welche Kindern Freude an der Musik vermitteln und sie dabei immer möglichst auch spielerisch zum selber Musizieren hinführen.
War das ein Pionierprojekt?
Hug: Ja, durchaus, wie zum Beispiel auch unser Kindermusikladen in Zürich. So etwas gab es zu dieser Zeit nirgends. Heute hat sich das Umfeld stark verändert. Unserer Grundidee wurde an vielen Orten aufgenommen, so finden etwa heute in der Tonhalle Zürich regelmässig tolle Kinderkonzerte statt. Und viele Musikschulen führen Instrumentenausstellungen als Info für Kinder durch. Der Instrumentalunterricht ist heute vielseitiger und sogar der Pop oder Rock findet manchmal den Weg in den Musikschulunterricht. Der Instrumentalunterricht findet in der Schweiz grundsätzlich auf einem hohen und breiten Niveau statt. Nur wurde er in den letzten Jahren, aufgrund von Sparübungen in Städten und Gemeinden leider wieder reduziert und teurer. Das kann dazu führen, dass der Musikunterricht, der nicht kostenlos von der öffentlichen Schule angeboten wird , besonders bei Familien mit mehreren Kindern zu einer Ausgabenposition wird, die sich nicht alle leisten können.
Was lässt sich dagegen unternehmen?
Hug: Wir wollen im Jubiläumsjahr 2002 etwas Neues propagieren und das Projekt Klassenmusizieren „ankicken“, das heisst einer breiteren Oeffentlichkeit sowie Schulbehörden etc. vorstellen und dessen Verbreitung dadurch forcieren. Klassenmusizieren heisst: In Primarschulklassen (4. – 6.) soll jedes Kind, möglichst nach freier Wahl, leihweise kostenlos ein Instrument bekommen. Speziell ausgebildete Musiklehrer arbeiten zusammen mit dem Klassenlehrer mit diesen Klassenorchestern ein, zwei oder drei Jahre. Sie beginnen vom Nullpunkt bis zu ersten richtigen Konzert-Vorstellungen. Bei einem Pilot-Projekt in unserer Gemeinde konnte ich miterleben, mit welcher Begeisterung die Kinder rasch und erstaunlich gut musiziert haben. Vor diesem Projekt hatten lediglich zwei Kinder Musikunterricht. Jetzt sind es 12 Kinder. Die begleitenden Primarlehrer sind des Lobes voll, Gruppendynamik, Integration, Konzentrationsfähigkeit, Teamgeist etc. wurden mehr als positiv beeinflusst. Mit dem Projekt Klassenmusizieren kann vielen Kindern, die sonst nie an ein Instrument herangekommen wären – auch ausländischen Kindern – die Möglichkeit gegeben werden, einen Zugang zur Musik – und zum Musizieren zu finden.
Erika Hug Harke
Präsidentin der Jubiläumsstiftung Musik Hug „Kind und Musik“
Die Stiftung «Kind und Musik» engagiert sich seit 1982 für die musikalische Ausbildung von Kindern.